T-Online TV: Deutsches Hulu durch die Hintertür?

Veröffentlicht: 23. März 2014 in Communication
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t-online-tv-deutsches-huluT-Online TV startet mit Content von ZDF, RTL und ProSiebenSat.1

Vor ein paar Wochen hat die Telekom das Video-on-demand Angebot „T-Online-TV“ gelauncht. Der Start verlief ohne viel Tamtam aber dank der Reichweite von t-online.de ist es in kurzer Zeit gelungen, beachtliche Nutzerzahlen zu generieren. Bemerkenswert ist das Angebot aus meiner Sicht aber aus einem anderen Grund: In den USA kooperieren Medienkonzerne wie NBC, FOX und ABC online miteinander und vermarkten ihren Bewegtbild-Content auf der Catch Up TV-Platform „Hulu“ gemeinsam. In Deutschland wollten die großen Sendergruppen es ihnen gleichtun und ihre Inhalte auf einer Gemeinschaftsplattform zur Verfügung stellen. Sowohl die Öffentlich-rechtlichen als auch die Privaten scheiterten dabei aber am Kartellamt. T-Online-TV vereint Videos von RTL, ProSiebenSat.1 und dem ZDF. Besteht hier das Potenzial, dass sich das Angebot – durch die Hintertür und langfristig – zu einem deutschen Hulu weiterentwickelt? Und: Was würde das Kartellamt dazu sagen?

Warum das Kartellamt ein „deutsches Hulu“ nicht zugelassen hat

Im Markt für Fernsehwerbung haben hierzulande IP-Deutschland und SevenOne, die Vermarkter der beiden großen Sendergruppen, eine hohe Marktdominanz. Das Kartellamt spricht von einem „Duopol“. Die Pläne von RTL und ProSiebenSat.1, eine gemeinsame Video-on-demand Plattform zu starten, lehnte das Kartellamt mit folgender Begründung ab:

„Eine so ausgerichtete Plattform hätte […] den Effekt, die bestehenden Verhältnisse auf dem Fernsehwerbemarkt zu konservieren und auf das Segment der Video-Werbung in Online-Video-Inhalten zu übertragen.“

Auch der Vorstoß von ARD und ZDF, mit „Germany’s Gold“ eine Video-on-demand Plattform mit öffentliche-rechtlichen Inhalten zu gründen, scheiterte an kartellrechtlichen Bedenken:

ARD und ZDF konnten kein kartellrechtskonformes Konzept für den Betrieb ihrer Online-Videoplattform vorlegen. 

Dass sich die Verhältnisse vom linearen Fernsehen durch eine solche Plattform eins zu eins in die Online Werbe-Welt übertragen würden, halte ich zwar für extrem unwahrscheinlich; die Konkurrenzsituation ist online ein ganz andere und die größten Wettbewerber sind hier nicht andere Sender sondern viel mehr die amerikanischen Internetgiganten. Aber das sei mal dahingestellt. Das Kartellamt verbietet ein deutsches Hulu und damit werden die deutschen Nutzer nie in den Genuss einer gemeinsamen Catch-Up-TV-Plattform der Sender kommen. Richtig? Nicht ganz. Das Kartellamt hat nämlich eine Hintertür offengelassen: 

„Möglich wäre der Betrieb eines offenen Marktplatzes auf der Grundlage einer technischen Plattform gewesen. Dies hätte im Übrigen auch den Anforderungen entsprochen, die an RTL und ProSiebenSat.1 gestellt wurden. Die Pläne von ARD und ZDF sahen aber Absprachen über Preise und bestimmte Exklusivitätsvereinbarungen vor, die wir nicht akzeptieren konnten.“

 T-Online-TV als offene, technische Plattform konform mit Kartellrecht

Womit wir wieder bei T-Online-TV wären. Das Angebot ist zwar derzeit meilenweit davon entfernt, eine Sender-übergreifende Catch-Up-TV Plattform zu sein. Viel zu begrenzt sind die TV-Inhalte. Allerdings scheint zumindest aus kartellrechtlicher Sicht nichts dagegen zu sprechen, dass hier die Inhalte unterschiedlicher Sender unter einem Dach vereint sind: Die Mehrheit der Clips wird zwar von der Telekom-Tochter „Interactive Media“ vermarktet, die Senderinhalte von RTL und ProSiebenSat.1 werden aber direkt von den Sendermediatheken eingebunden und die Clips entsprechend von SevenOne und IP Deutschland vermarktet (Content-Syndication). T-Online stellt nur eine offene, technische Plattform zur zur Verfügung, macht also genau das, was das Kartellamt für in Ordnung erachtet.

Wird das Angebot zu einem deutschen Hulu? 

Noch betonen die Sender zwar, dass der eigene Premium-Content bzw. vollständige Sendungen ausschließlich in den Sendermediatheken zu finden sind. Aber sollten die Reichweiten der eigenen Inhalte (und Werbeplätze) durch Syndizierung stark steigen, werden sicher rasch Überlegungen angestellt, ob man nicht mehr Content auf diesem Weg den Nutzern zur Verfügung stellt (und vermarktet!). Dann hätten wir ein „deutsches Hulu“. Aber vielleicht nehmen die Sender eine solche kartellrechtskonforme, technische Plattform ja auch selbst in Angriff. Noch wäre es dafür sicher noch nicht zu spät.

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