Disruption der Telekommunikation: Facebook & Co. wachsende Gefahr für MNOs

Veröffentlicht: 3. März 2014 in Communication, Forecasting
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disrupting-telcoSkype statt Telefon, Whatsapp statt SMS

Der Wettbewerb zwischen den Telekommunikationsanbietern ist groß – abzulesen nicht zuletzt an den beständig fallenden Preisen für Mobilfunk- und Breitbandverträge. Doch Ungemach droht den Telcos inzwischen nicht mehr nur von den direkten Konkurrenten. Internetservices wie Skype und vor allem Whatsapp grätschen in die Branche – mit gravierenden Folgen für die Telefonie- und SMS-Umsätze der Netzbetreiber. Das ist bereits jetzt sichtbar. Die Frage ist nur: Was könnte noch kommen?

Google und Facebook wollen billigen Internetzugang in der ganzen Welt

2 / 3 der Weltbevölkerung nutzt das Internet noch nicht. Die Initiative Internet.org hat sich zum Ziel gesetzt, das zu ändern und strebt an, allen Menschen weltweit einen bezahlbaren Internetzugang zur Verfügung zu stellen. Internet.org tritt wie eine Non-Profit-Organisation auf, doch stecken hinter dem Vorhaben (auch) knallharte ökonomische Interessen. Einer der Initiatoren und Geldgeber ist Facebook. Und Facebook kann mit 1,2 Milliarden Nutzern bald nur noch wachsen, wenn die weißen Flecken auf der Internet-Weltkarte verschwinden (oder zumindest kleiner werden). Neben Facebook zählen Technologieunternehmen wie Samsung und Ericsson zu den Unterstützern von Internet.org. Telekommunikationsunternehmen zählen nicht dazu. Denn diese wollen mit den Internetzugängen, die sie bereitstellen, auch Geld verdienen und geht es nach Facebook und Co., sollte der Internetzugang im besten Fall kostenlos sein. Ähnlich wie Facebook ist auch Google sehr daran interessiert, dass immer mehr Menschen sich die Internetnutzung leisten können. Die Firma schickt öffentlichkeitswirksam Ballons in die Höhe, die das Internet an entlegene Flecken bringen sollen (Project Loon). Und in der „Alliance for Affordable Internet“ arbeitet der Konzern mit dem Konkurrenten Facebook zusammen daran, Lobbyarbeit für möglichst günstige (mobile) Internetzugänge zu machen.

Welche Konsequenzen hat das für die europäischen Mobilfunker?

Zunächst einmal: Wenn sich Google und Facebook zusammenschließen, um das Internet an Orte zu bringen, die die Telekommunikationsunternehmen bisher mehr oder weniger links liegen lassen (da sie befürchten, dass sich die Investitionen nicht rechnen) ist das sehr zu begrüßen. Noch begrüßenswerter wäre es natürlich, wenn sie dann auch ordentlich in die Infrastruktur in den Entwicklungsländern investieren würden. Aber danach sieht es bisher eher nicht aus. Auf mich wirkt das alles derzeit noch stark nach PR- und vor allem Lobbyarbeit. Und die wird in immer größerem Maße auch die europäischen Telekommunikationsunternehmen treffen. Hier ist das Internet zwar flächendeckend und kostengünstig nutzbar. Allerdings gibt es auch einiges, was Google und Facebook nicht passt – etwa die Beschränkungen beim Highspeed-Volumen mobiler Internetzugänge oder die Diskussion mit den Telcos um die Netzneutralität. Was könnte also passieren?

Facebook & Co. könnten als MVNOs die Preise für mobile Daten drücken

Dass Google und Facebook hier eigene Netze aufbauen, um ihre Vision vom super-preiswerten Internet durchzusetzen, ist nicht wahrscheinlich. Kosten und Nutzen stünden in keinem vernünftigen Verhältnis zueinander. Weit weniger unwahrscheinlich aber ist, dass Google und Facebook anstreben, als virtuelle Mobilfunkanbieter ohne eigenes Netz (MVNOs) den etablierten Anbietern Konkurrenz zu machen. Was sie dazu benötigen, sind attraktive Einkaufs- bzw. Wholesale-Bedingungen für Daten-Pakete von den Netzbetriebern (MNOs). Denn wenn die Datenvolumina groß genug sind, können Messaging und Telefonie problemlos über die Internetverbindung abgewickelt werden. Den MNOs ist diese Gefahr bewusst und sie halten daher die Wholesale-Preise für mobile Datenpakete hoch. Die Frage ist nur, wie lange das noch gelingt: Googles Lobbyisten in Brüssel werden alles daran setzen, günstige Datenpakete durchzusetzen – etwa über das Hintertürchen der Data-Roaming-Regulierung. Und außerdem ist es nur eine Frage der Zeit, bis der erste MNO schwach wird und Facebook oder Google einen MVNO-Vertrag mit attraktiven Konditionen anbietet. Schließlich besteht für den first-mover unter den MNOs die Hoffnung, vom riesigen Kundenstamm von Unternehmen wie Facebook profitieren zu können. Dass E-Plus nun ankündigt, ins Wholesale-Geschäft mit der Facebook-Tochter Whatsapp einzusteigen, kann sicher als ein erster Schritt in diese Richtung gedeutet werden.

Was bleibt den MNOs?

Wenn die MNOs nicht aufpassen, könnten sie (in etwas fernerer) Zukunft zum reinen Anbieter immer günstigerer mobiler Datenpakete bei gleichzeitig beständig steigender mobiler Datennutzung werden. Ein Geschäft, dass sich dann kaum noch mit den SMS-Einnahmen oder bezahlten Gesprächsminuten quersubventionieren lässt. Die MNOs sind daher gut beraten, bereits jetzt das Geschäftsmodell zu diversifizieren und sich neue Geschäftsfelder jenseits der reinen Datenübermittlung zu suchen. Und da sind – zumindest meinem Eindruck nach – nicht alle europäischen Telekommunikationsunternehmen gut aufgestellt…

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