Google Trends Prognosen und die Crux mit dem mobilen Internet

Veröffentlicht: 8. Februar 2014 in Forecasting
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Ist Facebook in drei Jahren tot?

Vor kurzem sorgten Wissenschaftler der der Universität Princeton für Schlagzeilen: In einer Studie vergleichen sie die Verbreitung von Sozialen Netzwerken mit Epidemien und kommen zu dem überraschenden Ergebnis, dass Facebook bis 2017 80% seiner Nutzer verlieren wird. Datengrundlage ihrer Untersuchung sind Google Suchanfragen nach den Begriffen „Facebook“ und „Myspace“ (Diese Daten stellt Google Trends bereit). Die Suchanfragen nach Myspace stiegen eine ganze Zeit an und gingen dann deutlich zurück. Heute nutzt kaum noch einer Myspace. Auch die Suchanfragen nach „Facebook“ gehen inzwischen zurück. Daraus schließen sie, dass auch die Nutzung von Facebook in Zukunft rapide zurückgehen wird. Ich bin ein großer Fan von Google Trends und bin mir sicher, dass sich die Daten für Prognosen nutzen lassen (siehe zum Beispiel meine Prognose zu den Sky Kundenzahlen). Allerdings muss man bei der Interpretation der Daten sehr vorsichtig sein. Die Princeton Forscher schließen von den Suchanfragen auf die Nutzung der Services. Das mag bei Myspace noch ganz gut funktioniert haben. Bei Facebook ist das aber sehr fragwürdig. Denn die Nutzung hat sich in den letzten Jahren massiv hin zu mobile Endgeräten und Apps verlagert. Da liegt der Verdacht nahe, dass die Suchanfragen nach „Facebook“ auch deshalb zurückgehen, weil mehr und mehr Nutzer direkt auf den Dienst zugreifen, ohne den Umweg über Google zu gehen.

Das mobile Internet hat Einfluss auf Suchanfragen

Mitfahrgelegenheit.de ist vermutlich ein ganz gutes Beispiel, an dem sich der Einfluss von Mobile auf das Suchvolumen veranschaulichen lässt. Anfang 2013 hat der Anbieter damit begonnen, massiv Gebühren von den Nutzern einzufordern. Sofort war mit Blablacar eine kostenlose Alternative am Start. Um zu sehen, wie sehr die Online Kampagne von Blablacar schon gefruchtet hat, habe ich mir die Suchvolumina nach „Mitfahrgelegenheit.de“ und „Blablacar“ angeschaut und war überrascht: Das Suchvolumen nach „Mitfahrgelegenheit.de“ ging schon 2011 deutlich zurück – noch ehe die Alternative Blablacar oder Fernbusanbieter am Markt waren.

Google Suchanfragen Mitfahrgelegenheit.de

Vielleicht hat es auch einen anderen Grund aber meine Vermutung ist, dass das Suchvolumen nach „Mitfahrgelegenheit.de“ deshalb so massiv zurückgegangen ist, weil der Anbieter im Jahr 2011 seine Apps gestartet hat. Die Kernzielgruppe von Mitfahrgelegenheit.de sind Studenten, die ich mal als recht Smarthone-affin einschätzen würde. Und nach einer Mitfahrgelegenheit sucht man ja auch gern mal, wenn man unterwegs ist und nicht am heimischen Computer sitzt. Von daher war die App überfällig und ich kann mir gut vorstellen, dass das den massiven Drop in den Suchanfragen erklärt.

Was bedeutet das jetzt für Prognosemodelle auf Basis von Google Trends Daten?

Eine ganze Zeit lang war das Search Volumen tatsächlich ein recht guter Indikator für die Nutzung von Internetdiensten. Wenn man jetzt aber fallende Kurven sieht, kann das auch daran liegen, dass die Nutzer vermehrt direkt auf die Dienste zugreifen – etwa über Apps. Der Effekt dürfte bei Angeboten mit einer Smartphone-affinen Zielgruppe besonders deutlich ausfallen, zeigt sich aber auch schon bei Angeboten mit einer breiten Zielgruppe wie Bild.de:

Google Trends Bild.de

Aus meiner Sicht eignen sich Google Trends Daten daher nicht (mehr) dazu, wie es die Princeton Forscher versucht haben, Zeitreihen zur Nutzung von irgendwelchen Internetdiensten in die Zukunft fortzuschreiben. Vielmehr eignen sich die Daten aber dazu, Modelle zu füttern, die Werte außerhalb der Online-Welt prognostizieren: Etwa Arbeitslosenzahlen, Casting-Show-Gewinner, die wirtschaftliche Entwicklung oder eben Kundenzahlen.

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